Artikel erschienen im Weekend Magazin vom 26.02.2026

Wer Chinapakete kauft, kauft teuer

EXKLUSIVSTUDIE DER INITIATIVE ÖSTERREICH 2040

BILLIGWAREN. Manchmal macht es sich Österreichs Politik zu leicht – etwa wenn es darum geht, die heimische Wirtschaft vor der Paketflut aus Drittstaaten zu schützen. Das könne nur die EU, heißt es. „Stimmt nicht“, kontert ein Gutachten der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040 und zeigt Möglichkeiten auf.

Rund 80 Millionen Pakete kommen jährlich von chinesischen Billighändlern wie Shein, Temu und Co. nach Österreich. Der Großteil davon ist zollfrei, weil die bisherige Grenze bei 150 Euro Warenwert liegt. Das ändert die EU zwar ab 1. Juli 2026 mit einer „Mini-Steuer“ von drei Euro pro Paket, doch das geht der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040 nicht weit genug.

 

„Billigpakete aus China, die Sicherheitsstandards unterlaufen und heimische Unternehmen benachteiligen, sind kein Kavaliersdelikt.“
Thomas Perdolt, Geschäftsführer INITIATIVE ÖSTERREICH 2040

 

Die neue Interessensvertretung österreichischer Familienbetriebe will mehr: „Wenn schon die EU nicht erkennt, dass man der Paketflut mit dieser Kleinstabgabe nicht Herr wird und die lokale Wirtschaft weiterhin zerstört wird, dann ist die österreichische Regierung gefordert, eine heimische Lösung zu finden“, so Thomas Perdolt, Geschäftsführer der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040. Doch die Bundesregierung putzt sich an der EU ab. Diese sei für Zolltarife zuständig, die Staaten hätten darauf keinen Einfluss.

Schnuller aus Sondermüll

Das stimmt aber nur bedingt, wie ein von der Initiative in Auftrag gegebenes rechtswissenschaftliches Gutachten belegt. Das Gutachten von Univ.-Prof. Dr. Thomas Bieber bestätigt zwar, dass nationale Strafabgaben auf Kleinsendungen unzulässig sind, nicht aber Gebühren für zusätzlichen Prüf- und Kontrollaufwand bei auffälligen Sendungen. Auffällig sind sie jedenfalls – und wie! Am bekanntesten wurde der Skandal um kinderähnliche Sexpuppe, die von Shein vertrieben wurden. Doch das ist erst die Spitze des Eisbergs. Die europäische Verbraucherschutzzentrale „euroconsumers“ nahm das genau unter die Lupe. Zwei Drittel aller getesteten Produkte des Onlinegiganten Temu fielen durch. Sie gelten als „non-compliant“. Das heißt, sie entsprachen nicht den geltenden EU-Regelungen und Sicherheitsstandards in mindestens einem relevanten Prüf- bzw. Sicherheitsparameter. Bei Shein waren 73 % der getesteten Produkte nicht regelkonform.

5,8 Milliarden Pakete unter 150 Euro Warenwert kommen jährlich in der EU an.*

„Billigpakete aus China, die Sicherheitsstandards unterlaufen und heimische Unternehmen benachteiligen, sind kein Kavaliersdelikt, sondern ein strukturelles Versagen der Politik“, ist Perdolt wütend. „Es kann nicht sein, dass Familienbetriebe und Unternehmen in Österreich sämtliche Regeln einhalten, während Billig-Plattformen aus Drittstaaten von systematischen Schlupflöchern profitieren.“

T-Shirts machen unfruchtbar?

Das belegt auch das Gutachten und empfiehlt eine Gebühr von 80 Euro pro Sendung als Kostenersatz für tatsächlich erbrachte Zusatzleistungen. Damit könnten Röntgenkontrollen sowie Produktanalysen bzw. -tests durchgeführt werden. Analysen, die Dioxin in Kinderspielzeug, illegale Weichmacher und Schwermetalle in Bekleidung aufdecken könnten oder Elektronikteile aus dem Verkehr ziehen, die rasch überhitzen und zu Bränden führen.

Hand aufs Herz: Würden Sie Ihrem Kind wissentlich giftiges Spielzeug schenken? Würden Sie T-Shirts anziehen, wenn Sie wüssten, dass diese zu Atemwegserkrankungen führen oder Unfruchtbarkeit verursachen könnten? Sie würden es nicht, denn Sie vertrauen darauf, dass Hersteller sich an Regeln halten, wie Sie es von europäischen Produkten gewohnt sind. Produkte aus der EU sind sicher, getestet und müssen eine Reihe von Qualitätskriterien erfüllen.

Ein großer Teil der 5,8 Milliarden Pakete unter 150 Euro Warenwert, die laut EU-Parlament 2025 die EU überschwemmten, erfüllen diese Standards nicht. 91 % dieser Pakete kommen aus China.

„Diese Paketflut ist kein logistisches Randproblem, sondern eine Frage von Fairness, Sicherheit und wirtschaftlicher Zukunft. Die dem Staat entstehenden Kosten bzw. entgehenden Steuereinnahmen können nicht mehr akzeptiert werden“, schließt Perdolt. Geld, das im Budget fehlt und unser Allgemeinwohl gefährdet. Oder wie es der Volksmund so schön zusammenfasst: „Wer billig kauft, kauft teuer.“

Politische Bewegung nach Veröffentlichung der Studie

Unsere Exklusivstudie hat eine breite Debatte ausgelöst. Wenige Tage nach Erscheinen meldete sich auch Bundesminister Hattmannsdorfer öffentlich zu Wort und sprach sich auf Instagram für eine nationale Paketabgabe aus.

Das folgende Video zeigt sein Statement im Original:

 

 


TAGEBUCH der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040:

Gut Ding braucht offensichtlich Weile – sehen Sie anhand unseres Tagebuch-Barometers, wie lange die jeweilige Forderung der österreichischen Familienbetriebe bei den zuständigen Ministern bereits in Bearbeitung ist.

seit 197 Tagen

FORDERUNG „Selbstbehalt bei Lifestyle-Teilzeit“ an Minister Hattmannsdorfer.

100 % Sozialleistungen bei Teilzeit kann nur für Menschen mit Betreuungspflichten, Studenten oder aus gesundheitlichen Gründen gelten.
Status: OFFEN

seit 134 Tagen

FORDERUNG „Gebühr auf China-Pakete“ an Minister Marterbauer

Zum Schutz des österreichischen Handels braucht es eine Abgabe auf chinesische Billigpakete.
Status: OFFEN

seit 109 Tagen

FORDERUNG „Flat Tax auf Überstunden und für Pensionisten“ an Ministerin Schumann

Bereitschaft zur Mehr-Leistung muss sich auszahlen und braucht eine steuerliche Entlastung.
Status: Statt Flax Tax für Pensionisten kommt ein 15.000-Euro-Freibetrag – ERLEDIGT
Flat Tax auf Überstunden: OFFEN

FOTOS: MINISTER(IN): BKA/ANDY WENZEL (3), ANTONIOSOLANO/ISTOCK/GETTY IMAGES, MAURITIUS IMAGES/SKORZEWIAK/ALAMY/ALAMY STOCK PHOTOS