Artikel erschienen im Weekend Magazin vom 11.12.2025

Advent, Advent – die Hütte brennt!

REKORDARBEITSLOSIGKEIT. Die Grippewelle rollt – und die Insolvenzwelle gleich mit. 400.000 Menschen sind auf Jobsuche. Sie müssen jene hausgemachte Suppe auslöffeln, die uns die Politik eingebrockt hat. Die INITIATIVE ÖSTERREICH 2040, die Interessensvertretung von Familienbetrieben, kennt wirkungsvolle Gegenrezepte.

Eine „unschöne Bescherung“: Die Regierung legt uns fast 400.000 Arbeitslose unter den Christbaum – dazu ein paar Sparpakete, eingewickelt in Insolvenzwellpappe. Creditreform und AKV rechnen bis Jahresende mit bis zu 7.500 Insolvenzen – ein historischer Rekord. Mit jeder Firmenpleite steigt die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung.

56,4 % der Wirtschaftsleistung entfallen auf Staatsaufgaben

Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unimarkt, Palmers oder Clean Energy wird es ein trauriges Fest. Dazu kommen Standortschließungen und Abwanderungen wie jene von Faber-Castell in Engelhartszell sowie massiver Jobabbau bei den „Großen“ – etwa Lenzing oder voestalpine. Natürlich ist das kein ausschließlich österreichisches Phänomen: Auch andere europäische Länder kämpfen mit Zöllen, Handelskriegen und politischen Unsicherheiten. Doch vieles – ja sehr vieles – ist hausgemacht. Und anders als Omas Vanillekipferln schmeckt dieses Rezept bitter.

Denken in Generationen, nicht in Wahlen

Der wohl wichtigste Grund für die Misere: ein insgesamt zu hohes Kostenniveau. Der Staat gibt schlichtweg zu viel Geld aus – nämlich 56,4 % der gesamten Wirtschaftsleistung. In den vergangenen Jahren sind die Ausgaben regelrecht explodiert. Dabei ist die Situation kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis kurzsichtiger Politik. Geld wurde mit beiden Händen verteilt, ohne jene zu fragen, die es erwirtschaften: Unternehmen, die wissen, wie man Krisen übersteht, Probleme löst und über Jahrzehnte hinweg erfolgreich bleibt – Familienunternehmen. So unterschiedlich ihre Branchen und Herausforderungen auch sind, eines verbindet sie: das Denken in Generationen. Sie investieren mit Weitblick, übernehmen Verantwortung und jagen nicht schnellen Gewinnen hinterher. Genau diese Betriebe vereinen sich unter dem Dach der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040, um der Politik Lösungen aufzuzeigen und Verbesserungen ins Land zu bringen.

Die Forderungen der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040:

WEG VON DER TEILZEITREPUBLIK

Österreich verzeichnet die zweithöchste Rate bei der Teilzeitarbeit in der Europäischen Union. Es ist wirtschaftlich nicht mehr tragbar, dass Menschen, die weder Kinder noch Pflegefälle betreuen bzw. Studierende sind oder Schwerstarbeit leisten, in Teilzeit arbeiten, um die Work-Life-Balance zu verbessern und gleichzeitig aber 100 % Sozialleistung erhalten. Die Initiative Österreich 2040 fordert für diese Menschen einen gestaffelten Selbstbehalt (z.B. 5 %, 10 % und 20 %) nach geleisteten Arbeitsstunden bei Sozialleistungen.

FLATTAX FÜR ÜBERSTUNDEN UND PENSIONISTEN/INNEN

Für leistungsbereite ArbeitnehmerInnen muss es möglich sein − wenn über das Mindestmaß einer Vollzeitbeschäftigung hinaus gearbeitet wird − steuerlich begünstigt zu werden. Dies betrifft sowohl die Bereitschaft zur Leistung von Überstunden als auch die Möglichkeit für PensionistInnen weiterhin am Ar-beitsmarkt aktiv zu bleiben. Die INITIATIVE ÖSTERREICH 2040 fordert eine steuerliche Begünstigung in Form einer Flattax von 10 % auf „Mehrstunden“ und „Mehrjahre“, damit Mehrarbeit deutlich attraktiver gestaltet werden kann.

Feedback

DAS SAGT Minister Korinna Schuhmann zur Forderung der Initiative Österreich 2040:

Quelle: MINISTERIN: BKA/ANDY WENZEL

Teilzeit ist oft das Symptom, nicht die Ursache. Menschen nehmen nicht freiwillig Teilzeitjobs an, sondern weil die Kinderbetreuung fehlt. Ich habe bereits das Recht auf Erhöhung der Arbeitszeit betont, wenn mehrere Monate hintereinander mehr als die vereinbarte Teilzeitarbeitszeit gearbeitet werden musste. Ein „Selbstbehalt“ für Menschen in Teilzeit und ohne Betreuungspflichten würde wenig Arbeitskräfte mobilisieren, weil es eine Frage des Jobangebots Richtung Vollzeit ist und nicht der Sozialleistungen.

So ein Selbstbehalt würde das Armutsrisiko erhöhen, besonders bei Frauen, und das Solidarprinzip und die Versicherungslogik untergraben, indem Beiträge und Leistungen entkoppelt werden. Ein Sozialstaat bestraft keine Lebensrealitäten, sondern schafft Bedingungen, die echte Wahlmöglichkeiten eröffnen. Im Regierungsprogramm haben wir uns zum Beispiel auf die Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres verständigt. Der Rückgang von Überstunden ist der wirtschaftlichen Situation geschuldet. Die tatsächliche Problemlage ist eine andere, nämlich Überstunden werden nicht ausbezahlt – allein im Vorjahr 42 Millionen weder in Zeit noch in Geld. Klar ist, je mehr Überstunden geleistet werden, desto mehr unbezahlte Arbeit bleibt – wenn man von Paarhaushalten eventuell mit Kindern spricht – nach wie vor bei den Frauen. Das Regierungsprogramm sieht für das Jahr 2027 eine Begünstigung von Überstunden vor, allerdings unter Budgetvorbehalt. Eine Weiterführung der Steuerbegünstigung kostet rund 150 Millionen Euro im Jahr, die ohne Gegenfinanzierung nicht leistbar ist. Im Regierungsprogramm wurde außerdem vereinbart, mit verschiedenen Maßnahmen Anreize zu setzen, auch über das gesetzliche Pensionsalter hinaus zu arbeiten. Dazu gehören etwa Änderungen im Bereich der Einkommenssteuer für unselbstständig Erwerbstätige.

... und so sehen das die Familienbetriebe der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040!

Wir möchten klar betonen, dass Menschen, die aufgrund fehlender Kinderbetreuung, die übrigens ein Verschulden der Politik in den letzten Jahrzehnten ist, in Teilzeit arbeiten, von unserer Forderung ausgenommen sind. Aber der Sozialstaat hat eine Lebensrealität geschaffen, die weder sozial gerecht ist, noch leistbar ist. Wenn die eine Hälfte der Bevölkerung erkennt, dass sie weniger arbeiten kann, weil die andere Hälfte für sie sorgt – und wenn die voll arbeitende Hälfte einsieht, dass es keinen Sinn mehr hat, sich anzustrengen, weil andere die Früchte ihrer Arbeit bekommen –, dann ist das das Ende einer funktionierenden Gesellschaft! Wir Familienbetriebe stehen zur Leistung und es ist für uns selbstverständlich, Überstunden abzugelten. Daher fühlen wir uns bezüglich des Vorwurfs der nicht ausbezahlten Überstunden nicht angesprochen. Weiters sollte der Staat keine Vormundschaft übernehmen, sondern leistungsbereiten Menschen ermöglichen, sich etwas aufzubauen. Es obliegt dem/der Einzelnen, wie die verfügbare Zeit eingesetzt wird. Fakt ist, dass Leistung belohnt gehört. Wenn man bereit ist, mehr als wöchentlich 38,5 Stunden oder mehr als 40 Jahre lang zu arbeiten, dann hat man sich eine bessere steuerliche Begünstigung verdient!