Artikel erschienen im Weekend Magazin vom 23.04.2026
10 % FlatTax auf Überstunden
ZUKUNFTSSIGNAL. Arbeit muss sich wieder mehr lohnen – diese Forderung vertritt die Initiative Österreich 2040 – die Interessensvertretung österreichischer Familienbetriebe.
Viele Beschäftigte haben das Gefühl, dass sich zusätzlicher Einsatz kaum auszahlt. Der Grund liegt auf der Hand: Die österreichische Abgabenquote zählt zu den höchsten in Europa, und vom Bruttolohn bleibt am Ende oft deutlich weniger übrig als erwartet. Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten wird dieses Missverhältnis für viele Menschen zunehmend spürbar. Österreich arbeitet nicht „zu wenig“ – vielmehr lohnt sich Mehrarbeit für viele schlicht nicht mehr.
169 Millionen Überstunden wurden 2024 geleistet – weniger als halb so viele wie noch im Jahr 2007.*
Die Zahl der geleisteten Überstunden in Österreich ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Laut Statistik Austria wurden im Jahr 2024 insgesamt rund 168,9 Millionen Über- und Mehrstunden geleistet – das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2004.
Zum Vergleich: Im Jahr 2007 lag der Wert noch bei 368 Millionen Stunden – also mehr als doppelt so hoch. Gleichzeitig ist auch der Anteil der Beschäftigten, die überhaupt Überstunden leisten, stark zurückgegangen: von über 24 % auf nur noch rund 13 %. Die Initiative Österreich 2040 greift dieses Problem auf und fordert Reformen, um den Faktor Arbeit nachhaltig zu entlasten. Im Zentrum steht dabei die klare Botschaft: Leistung muss sich wieder auszahlen, und das Steuersystem soll Anreize schaffen, statt zu bremsen. Neben strukturellen Änderungen bei Lohnnebenkosten und Einkommenssteuern wird insbesondere eine gezielte Entlastung von Mehrarbeit gefordert.
Arbeiten wir zu viel für zu wenig?
Wer heute mehr arbeitet, etwa durch Überstunden, erwartet zu Recht auch einen entsprechend höheren finanziellen Nutzen. Doch genau hier liegt das Problem: Überstunden werden häufig ähnlich hoch besteuert wie das reguläre Einkommen. Dadurch schrumpft der zusätzliche Verdienst erheblich. Für viele Arbeitnehmer stellt sich daher die berechtigte Frage, ob sich der Mehraufwand überhaupt lohnt.
Die INITIATIVE ÖSTERREICH 2040 bringt hierzu einen konkreten Vorschlag ein: die Einführung einer steuerlichen Flat Tax auf Überstunden im Einkommensteuergesetz. Demnach sollen zuschlagspflichtige Überstunden mit einem ermäßigten Steuersatz von lediglich 10 Prozent besteuert werden. Diese Begünstigung soll für bis zu 20 Überstunden pro Monat gelten und ausschließlich für Arbeitsverhältnisse mit vereinbarter Normalarbeitszeit im Vollzeitausmaß zur Anwendung kommen. Die Auszahlung und Versteuerung soll unbürokratisch und automatisch über die Lohnverrechnung erfolgen.
Ein solches Modell würde klare Anreize schaffen: Mehr Einsatz würde sich unmittelbar im Geldbörsel bemerkbar machen. Arbeitnehmer hätten einen stärkeren Anreiz, flexibel zu arbeiten, während Unternehmen gleichzeitig von einer höheren Bereitschaft profitieren würden, zusätzliche Arbeit zu leisten. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel könnte dies helfen, vorhandene Potenziale besser zu nutzen.
Ein reduzierter Steuersatz auf Überstunden hätte mehrere positive Effekte. Erstens würde die Kaufkraft steigen. Menschen hätten mehr Netto vom Brutto und könnten dieses Geld wieder in den Konsum investieren, was letztlich auch der Wirtschaft zugutekommt. Zweitens würde ein solches Modell Leistungsbereitschaft und Eigeninitiative stärken – zentrale Voraussetzungen für Wachstum und Innovation. Drittens könnte die Maßnahme kurzfristig Entlastung schaffen, ohne komplexe Systemreformen abwarten zu müssen.
„Österreich arbeitet nicht „zu wenig“ – vielmehr lohnt sich Mehrarbeit für viele schlicht nicht mehr.
Sinkende Überstundenzahlen sind damit auch ein Signal für ein Steuersystem, das Leistungs- anreize zu wenig belohnt.”
Thomas Perdolt, Geschäftsführer INITIATIVE ÖSTERREICH 2040
Steuersystem muss motivieren
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Finanzminister Marterbauer argumentiert, dass steuerliche Begünstigungen zu Einnahmenausfällen beim Staat führen (könnten). Zudem bestehe die Gefahr, dass reguläre Arbeitszeit verstärkt in Überstunden verlagert wird. Diese Einwände sind ernst zu nehmen, doch sie lassen sich durch die klar definierten Grenzen – etwa die Deckelung auf 20 Stunden pro Monat und die Beschränkung auf Vollzeitbeschäftigte – gezielt entschärfen.
Letztlich geht es um eine Grundsatzfrage: Wie viel ist uns Leistung wert? Wenn zusätzliche Arbeit kaum belohnt wird, sendet das ein falsches Signal. Ein Steuersystem sollte nicht bremsen, sondern motivieren. Die vorgeschlagene Flat Tax auf Überstunden ist ein konkreter Schritt in diese Richtung. Wenn Arbeit sich wieder spürbar lohnt, profitieren alle: die Beschäftigten, die Unternehmen und damit auch der Wirtschaftsstandort Österreich.
TAGEBUCH der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040:
Gut Ding braucht offensichtlich Weile – sehen Sie anhand unseres Tagebuch-Barometers, wie lange die jeweilige Forderung der österreichischen Familienbetriebe bei den zuständigen Ministern bereits in Bearbeitung ist.
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FOTOS: MINISTER(IN): BKA/ANDY WENZEL (3), ANTONIOSOLANO/ISTOCK/GETTY IMAGES, MAURITIUS IMAGES/SKORZEWIAK/ALAMY/ALAMY STOCK PHOTOS